In die Pedale, fertig, los: Tipps für den Kauf eines Kinderfahrrades

Der Frühling ist endlich auch bei uns angekommen. Es zieht uns wieder hinaus in die Natur, der familieneigene Fuhrpark wird ausgewintert und auf Vordermann gebracht. Dabei stellt sich heraus: Das Kind ist dem Laufrad entwachsen und der Umstieg auf ein größeres Fahrrad steht an.

Doch worauf sollte beim Kauf eines Kinderfahrrades geachtet werden? Wo liegen die Unterschiede zwischen einem günstigen Fahrrad vom Diskonter und einem Markenfahrrad vom Fachhändler? Ich habe für uns und für euch nachgefragt und in Kooperation mit NTC Sport Sölle in Tröpolach zusammengefasst, worauf es ankommt.

Radexperte Marco Buchacher von NTC Sport Sölle erklärt, worauf ihr beim Kauf eines Kinderfahrrades achten solltet.

Der richtige Zeitpunkt

Wann ein Kind soweit ist, um vom Laufrad oder von einem Rad mit Stützrädern auf ein größeres Fahrrad zu wechseln, ist sehr individuell und kann nicht an einem Alter festgemacht werden. Wichtiger ist, dass das Kind ausreichend Erfahrung mit einem Laufrad sammeln konnte und relativ geübt darin ist das Gleichgewicht zu halten. Grundsätzlich könnten Kinder aber bereits mit zweieinhalb Jahren Radfahren lernen.

Der Umstieg auf ein Kinderfahrrad erfolgt heute nicht nur gefühlsmäßig viel früher als noch in unserer eigenen Kindheit. Damals hatten alle Stützräder. Auf beiden gleichzeitig war ich aber selten unterwegs, denn meistens war eines in der Luft und die Position des Rades entsprechend schräg. Von Gleichgewicht halten also keine Spur. Wirklich Radfahren gelernt habe ich frühestens im nächsten Sommer. Ohne Stützräder, dafür mit meinem großen Bruder auf dem Gepäcksträger, der irgendwann plötzlich nicht mehr oben saß und ich tatsächlich alleine fuhr.

Mit dem Aufkommen der Laufräder hat sich das zum Glück geändert. Kinder lernen heute schon von frühester Kindheit an auf eigenen Beinen zu stehen und erforschen das Radfahren und das Gleichgewichthalten spielerisch auf ihre eigene Art und Weise und, noch viel wichtiger, in ihrem eigenen Tempo.

Welches Fahrrad passt zu meinem Kind?

Bei Fahrrädern für Erwachsene werden für jede Dimensionen auch mehrere Rahmengrößen angeboten. Nicht so im Kindersegment. Hier unterscheidet man einzig und allein nach der Dimension der Reifen, sprich anhand des Durchmessers der Reifen in Zoll. Die Rahmengröße bleibt bei allen (namhaften) Herstellern die gleiche

Die ideale Fahrradgröße ist natürlich immer anhängig von der Körpergröße und vom Können des Kindes. Die Empfehlung lautet aber wie folgt:

  • ab ca. 2,5 Jahren: 12 Zoll
  • 3,5 – 5 Jahre: 16 Zoll
  • 6 – 7 Jahre: 20 Zoll

Die Zwischengrößen 14 Zoll und 18 Zoll sind auch im Fachhandel nicht serienmäßig vorrätig, da sie in den meisten Fällen übersprungen werden. Auf Anfrage sind aber auch diese Größen lieferbar.

Markenfahrrad anstatt No-Name

Namhafte Hersteller legen großen Wert darauf auch im Kinderbereich möglichst leichte Fahrräder anbieten zu können. So werden die Rahmen aus leichtem Aluminium gefertigt, der Lenker und der Sattel sind ebenfalls hochwertiger.

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Den größten Unterschied zum billigen Fahrrad vom Diskonter macht die Rahmengeometrie aus. In Markenfahrrädern steckt mehr Entwicklungsarbeit, sie sind ausgetüftelter. Die preisgünstigen Alternativen sind meist nicht wirklich bedienungsfreundlich und die Proportionen nicht dem kindlichen Körperbau angepasst.

Kindgerecht einstellen

Wenn ein Kind auf ein Fahrrad mit Pedalen wechselt, sollte man den Sattel möglichst niedrig einstellen, sodass es mit beiden Füßen noch guten Bodenkontakt hat. Dadurch fühlen sie sich stabiler und sicherer, denn diese Position kennen sie schon vom Laufrad fahren. Als ideale Sitzhöhe gilt normalerweise, wenn die Beine im Sitzen ganz durchgestreckt werden und nur die Zehenspitzen den Boden berühren.

Gerade Fahranfänger können leichter anhalten, wenn der Sattel zunächst etwas niedriger eingestellt ist. Denn so können sie, wie vom Laufradfahren gewohnt, mit den Beinen bremsen.

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Einer der größten Fehler, den wir Eltern allzu gerne begehen, ist die Reifen zu hart aufzupumpen. Der ideale Reifendruck ist an das Gewicht des Kindes angepasst. Unter der Belastung eines Erwachsenen darf ein Reifen ruhig nachgeben, schließlich muss nur das Kind getragen werden. Ein weicherer Reifen ist sicherer! Es entsteht mehr Bodenhaftung, was das Rad vor allem in den Kurven stabil hält. Speziell auf Schotterwegen können zu harte Reifen bei einzelnen Hindernissen wie Steinen oder kleinen Ästen schnell gefährlich werden.

(Unter)stützen: So lernt das Kind Radfahren

Anders, als vom Laufrad gewohnt, sollte man das Kind nicht alleine mit dem Rad hinstellen und experimentieren lassen. Besser ist mit dem Kind gemeinsam die ersten Fahrversuche zu unternehmen. In aller Ruhe, ohne Stress und ohne allzu große Erwartungen. Wenn das neue Fahrrad eine ganze Woche in der Hütte steht, bevor das Kind von sich aus die ersten Versuche wagen will, ist das auch in Ordnung.

Je mehr Druck ausgeübt und je mehr Erwartungen geschürt werden, umso größer ist die Gefahr, dass das Kind die Freude am Radfahren verliert, bevor es überhaupt angefangen hat, es zu erlernen.

Die Person, die das Kind bei den ersten Fahrversuche unterstützt, sollte sich ausreichend Zeit nehmen, in jeder Situation gelassen bleiben und sich zu hundert Prozent auf das Kind konzentrieren. Als Mama von zwei Kindern verschiebe ich das Radfahren mit dem Großen im Moment auf das Wochenende oder auf den Abend, wenn mein Mann auch daheim ist. Denn wenn ich mit beiden gleichzeitig draußen bin, kann ich keinem von beiden die ungeteilte Aufmerksamkeit schenken.

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Sitzt das Kind einmal auf dem Rad, hält man das Rad am besten am Sattel fest oder, was noch besser ist, man stabilisiert mit der Hand den Rücken des Kindes. Dadurch hat das Kind das Rad selbstständig unter Kontrolle und das Kreuz (der Begleitperson) wird auch geschont.

Wenn man das Gefühl hat, das Kind hält das Gleichgewicht gut und kommt auch mit dem Treten zurecht, kann man versuchen es kurz los zu lassen. Dabei sollte man aber dennoch mit dem Fahrrad Schritt halten. Denn das größte, häufig unterschätzte Problem für Fahranfänger, ist das Anhalten.

Kinderfahrräder sind mit Rücktritt ausgestattet und haben zusätzlich eine Felgenbremse am Lenker. Diese kennen sie vielleicht schon vom Laufrad, die Rücktrittbremse ist aber komplett neu. Meistens dauert es eine Weile, bis die Kinder mit den Bremsen  experimentieren. Vorher müssen sie vollkommen sicher auf dem Rad sein und problemlos das Gleichgewicht halten.

Wichtigstes Accessoire: Der Helm

DAS Must-Have ist und bleibt ein gut sitzender Helm. Wie froh ich doch bin, dass dies für Kinder heutzutage selbstverständlich ist und nicht mehr belächelt wird, wie in unserer eigenen Kindheit. Wir Erwachsenen sollten uns viel mehr an der Nase nehmen und uns fragen, warum ein Helm auf der Skipiste selbstverständlich geworden ist, und warum wir ihn beim Radfahren verschmähen! 

Eine Klingel ist nicht nur für das Kind ein lustiges Spielzeug, sie ist auch eine der wichtigsten Zusatzausstattungen für die Sicherheit des Kindes. Zusätzlich sind Rückstrahler, Reflektoren in den Speichen und ein Kettenschutz zu empfehlen. Fahrradhandschuhe schützen die Kinderhänge vor Abschürfungen bei Stürzen, die sich gerade in der ersten Zeit nur schwer vermeiden lassen. 

Eine Lichtanlage ist für das Kinderfahrrad nicht zwingend notwendig, sorgt aber gerade in der Dämmerung oder bei Schlechtwetter für bessere Sichtbarkeit. Ein Spritzschutz, besser bekannt als Kotflügel, dient vor allem uns Müttern beziehungsweise erspart er uns die eine oder andere Ladung Schmutzwäsche 😉

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Wer lange Freude an einem neuen Fahrrad haben möchte, muss bei einem Kinderfahrrad keine großartigen Wartungsarbeiten unternehmen. Wenn die Kette sauber gehalten und ab und zu geschmiert wird, ist das schon die halbe Miete. Es sollte natürlich nicht ständig dem Wetter ausgesetzt sein und schlichtweg sauber gehalten werden. So kann, wie in unserem Fall, hoffentlich noch ein schönes, intaktes Fahrrad an jüngere Geschwister übergeben werden.

Fazit

An einem Markenfahrrad haben die Kinder länger Freude und es erleichtert ihnen auch das Fahrradfahren. Die Reifen nicht zu hart aufpumpen, den Sattel anfangs lieber etwas niedriger einstellen und auf den richtigen Abstand der Bremshebel achten. Das wichtigste Accessoire ist der Helm, auch für Mamas und Papas 😉

Ich hoffe, dass ich ein paar Unklarheiten für die Anschaffung eines Kinderfahrrades klären konnte und wünsche euch einen guten Start ins Abenteuer „Radfahren lernen“!

Alles Liebe,
eure Daniela

Dieser Beitrag enthält Produktplatzierungen und entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit NTC Sport Sölle.

2 Kommentare zu „In die Pedale, fertig, los: Tipps für den Kauf eines Kinderfahrrades

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